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Let’s be proud!

Die meisten von uns kennen den Christopher Street Day (CSD) als bunte, verrückte Parade, mit ausgelassenen Partys und Konzerten. Aber so viele von uns realisieren nicht, wie wichtig diese Form der Demonstration ist, wie wichtig diese ganze Bewegung ist, die dahinter steckt.

Der CSD bzw. der gesamte „Pride Month“ sind ein lauter Aufschrei im Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung und ja, es ist ein Kampf – immer noch, auch im Jahr 2020. Und das ist schockierend und kaum zu glauben. Aber es klein zu reden, macht die Ungerechtigkeit und die immer noch vorherrschenden Missstände nicht weniger real.

Für alle diejenigen, die jetzt den Kopf schütteln und sich denken, dass das nur reißerische Übertreibungen seien, können wir gerne nochmal zusammen durchgehen, was so abgeht:

Aktuell kommt wieder eine Debatte bezüglich des Blutspendeverbots für homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen auf. Denn sie gelten offiziell immer noch als „Risikogruppe“ und waren bis 2017 kategorisch von der Blutspende ausgeschlossen. Seit einer Änderung der „Richtlinie Hämotherapie“ dürfen schwule Männer nun Blut spenden, aber nur unter bestimmten Bedingungen und nur nachdem sie mindestens seit einem Jahr kein „sexuelles Risikoverhalten“ mehr ausgelebt haben. Lassen wir das erstmal so stehen.

2017 gab es nämlich noch eine weitere Veränderung: Seit dem 1. Oktober 2017 dürfen endlich auch gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten. Vorher gab es nur die Möglichkeit einer sogenannten „Eingetragenen Lebenspartnerschaft“ – das aber wiederum auch erst seit 2001.

Trotz dieser mittlerweile offiziell gleich gestellten Ehe sind wir da noch lange nicht am Ziel. Denn die „Homo-Ehe“ gilt immer noch als großer Erfolg und nicht als Selbstverständlichkeit, was man alleine daran merkt, dass explizit von der „Homo-Ehe“ die Rede ist.

Eine andere Debatte im Deutschen Bundestag waren in diesem Jahr wiederum die sogenannten „Konversionstherapien“, bei denen homosexuelle bzw. transgeschlechtliche Menschen „umgepolt“ bzw. von ihrer Gesinnung „geheilt“ werden sollen. Diese Debatte hat dazugeführt, dass der Bundestag für ein Verbot solcher Konversionstherapien bei Minderjährigen gestimmt hat. Dass dieses Verbot nötig ist, bedeutet also, dass es immer noch Angebote zu solchen Therapien gibt und dieses eingeschränkte Verbot wurde einfach jetzt erst im Jahr 2020 auf den Weg gebracht. Sowas ist doch völlig absurd für uns als junge Generation.

Ähnlich absurd wie die Tatsache, dass erst am 17. Mai 1990 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschlossen wurde, Homosexualität von der Liste der psychischen Erkrankungen zu streichen. Das ist jetzt gerade einmal 30 Jahre her, was absolut keine lange Zeitspanne in unserer Geschichte ist.

Und sogar erst 4 Jahre später, im Juni 1994, wurde der Paragraph 175 des Strafgesetzbuches abgeschafft, der „sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts“ in Deutschland unter Strafe stellte. Dazu dient der 17. Mai mittlerweile jährlich als Gedenk- und Mahntag im Zeichen des „Internationalen Tages gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie (IDAHOBIT)“.

Ermahnt zu werden, ist wichtig und zwar nicht nur, um zu sehen, was schon alles erreicht wurde, sondern vielmehr, um motiviert zu werden, sich weiter für neue Veränderungen einzusetzen.

Denn auch wenn in einem Drittel der Staaten der Erde einvernehmliche homosexuelle Handlungen immer noch als Verbrechen eingestuft werden und in elf Staaten (darunter u.a. Afghanistan, der Irak und Saudi-Arabien) Homosexuellen laut „International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA)“sogar die Todesstrafe droht , ist es einfach nicht weniger schlimm, welcher Diskrimierung Homo- und Transsexuelle auch in Deutschland immer noch ausgesetzt sind und wie heteronormativ unsere Gesellschaft weiterhin zu großen Teilen ist. Es ist keine Kleinigkeit sich als queer z.B. zu outen. Unzählige Jugendliche versuchen jahrelang ihre eigenen Gefühle zu unterdrücken oder zu verstecken und gleichgeschlechtliche Paare, die sich in der Öffentlichkeit zeigen, sind immer noch bösen Blicken und Beleidigungen ausgesetzt.

Bis also tatsächliche Gleichberechtigung herrscht, ist es noch ein langer Weg, und jede*r von uns sollte dabei mithelfen, ihn zu gehen. Das gilt selbstverständlich nicht nur für den Pride Month, sondern für jeden einzelnen Monat im Jahr.

Lasst uns ein Zeichen setzen. Let’s be proud!!

von Diana Bärenz

StädteRegion Aachen

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Union durch das Programm JUGEND IN AKTION finanziert. Der Inhalt dieses Projektes gibt nicht notwendigerweise den Standpunkt der Europäischen Union oder der Nationalagentur JUGEND für Europa wieder und sie übernehmen dafür keine Haftung.


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